Die vorletzte Stunde

Sie war aus dem Saal gegangen, ohne sich noch einmal nach ihm umzuschauen. Er hätte zum Dank schon zumindest ein leises Winken und ein kleines Lächeln verdient, nachdem sie so viele Stunden der Musik gelauscht, ja darin andächtig versunken war. Ohne dass er es ahnte, hatte er ihr so viel gegeben…

Aber sie konnte keine Abschiede mehr ertragen: In letzter Zeit hatte sie einige ihr liebgewordene Menschen zurück lassen müssen, von denen sie nicht wusste, ob sie sie jemals wiedersah. Gehörte er nicht auch dazu?

Außerdem sollte er ja nicht unbedingt mitbekommen, dass sie sich heimlich eine Träne aus dem Auge wischte. Wie diese in ihr Auge gelangt war, konnte sie nicht mit Bestimmtheit sagen. Wahrscheinlich, nein – ganz sicher – war es dieses russische Volkslied, das sie beinahe aus der Fassung brachte. Denn einem Mann weinte sie doch keine Träne nach. Schon lange nicht mehr! Sie doch nicht! Niemals!

@H.


Über *Eva*

https://rarum.wordpress.com/ Zeige alle Beiträge von *Eva*

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s