Herbst – Versuch einer Allegorie

Herbst 

Die Natur benimmt sich wie ein alterndes Weib. 

Das jungfräuliche Weiß der Frühlingsblüten und 
das satte Grün der Sommerwiesen hat sie bereits 
hinter sich gelassen. 

Jetzt schmückt sie sich viel zu auffällig, 
ergreift ihre letzte minimale Chance, 
Aufmerksamkeit zu erheischen: 
rotes Weinlaub, Vogelbeeren und Hagebutten 
in toxischem Orange, goldene Ahornblätter, 
braune Kastanien, lilablaue Trauben 
sind ihr modisches Beiwerk. 
Und über allem wölbt sich der Himmel wie ein azurblaues Tuch. 
Kleine Diamanten aus Tau schimmern hochkarätig in der Sonne. 
Sie hat sich herausgeputzt, letztes Aufbäumen, 
bevor sie die Braut des Winters wird.
So, als könnte sie die grellen Farben nicht mehr ertragen, 
beginnt sie sich abzuschminken. 
Und am Morgen liegt sie fahl und bleich in einem Schleier 
aus bleigrauem Nebel.

Aber ihr Tod ist endlich, denn sie weiß, dass sie wiedergeboren
wird – im nächsten Frühling, in einer Robe aus weißrosa Blüten.

Im Gegensatz zu mir .....

Über *Eva*

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One response to “Herbst – Versuch einer Allegorie

  • Marie-Rose

    Ich kenne sie, diese Frauen mit den zu roten Lippen, dem zu starken Parfum, dem zu lauten Reden und zu auffälligen Lachen

    es sind nicht immer alte… es sind aber immer die die das „nichts“ des Winters fürchten

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