Archiv der Kategorie: Antilyrik

Metamorphose

Manchmal wünsche ich mir

eine große

Metamorphose

in mein Lieblingstier –

die Elefantenkuh.

Dann könnte ich ungebeten

laut herum trompeten,

in Porzellanläden

das Geschirr zertreten

in aller Ruh‘.

Mit meinem langen Rüssel

nähm‘ ich die größte Schüssel

und ließ sie allen,

die ich nicht leiden kann,

auf die Köpfe fallen.

Und hinter meiner Stirn

hätt‘ ich ein Superhirn.

Mit meiner dicken Haut

würd‘ ich mich nie verletzen

beim in den Fettnapf setzen.

Wär ich doch so gebaut !!

 😉

(c) rarum 2008


Kohlenstoff

Kohlenstoff

*

Manchmal ist alles Asche,

gelegentlich habe ich Kohle,

meine Seele ist schwarz wie Graphit,

aber meistens strahle ich wie ein Diamant.

😉


Konjugation…

… eines reflexiven Verbs:

Sie lieben sich.

Ergo:

Er liebt sich.

Sie liebt sich.

Grammatisch vollkommen korrekt…

Beziehungstechnisch jedoch – eine Katastrophe!



Augenweide

Sein hungriger Blick

wildert heimlich

auf der Augenweide.

🙂


keine Schneeflocke

Eine unter vielen

im weißen Kleidchen

tanzen nach der Pfeife des Windes,

wie es ihm gefällt.

Niemals

möchte ich eine Schneeflocke sein!

(c) rarum


Herzenswunsch eines Sandkorns

„Nur ein einziges Mal im Getriebe sein
oder wenigstens in einem Schuh…!“

seufzte das Sandkorn
und rann weiter unentwegt durch das Stundenglas …
😉

(c) rarum


Februarmondin

Kalte Mondin, weiß und bleich.
Einsam heult der Wolf durchs Reich.
Will deine Stiefel lecken.
Vor Gier sieht er Rot!
Doch ohne der Sonne Strahl
wärst du nicht einmal fahl,
würdest erbärmlich verrecken –
*
wärst du längst tot!

(c) rarum 2008


Antilyrik: Abendrot

Der Himmel färbt sich blutrot:

Die Nacht verschlingt den Tag.

😉


Wicken

Am Sonntagnachmittag

ging ich pflücken

die letzten Wicken,

um mein Heim

damit zu schmücken!

***

Nur keine falschen Reime!

🙂


Vegetarische Diät

Noch kein Ende

für die Ente,

auch die Gans

bleibt ganz.

Es macht dich satt

ein Blatt

Salat?!

😉

(c) rarum


Gedichte und Menschen

Mit den Gedichten ist es wie mit den Menschen:

Manche sind symmetrisch,

kunstvoll gestylt,

äußerlich perfekt,

in Formen gepresst,

dem Diktat der Mode unterworfen –

aber HOHL.

Da lobe ich mir

die eckigen, kantigen –

authentisch,

mit aufrichtigem Charakter und Substanz.

by zweitchance


Das Vakuum

Mit einem Kuss hast du ganz ungezogen

sämtliche Luft aus mir herausgesogen.

Doch die Sache lief sehr dumm,

denn es entstand ein Vakuum.

Und seit jenem Kusse –

sind wir aus einem Gusse.

🙂

(c) rarum 2007


Antikes

Amor trieb einst Schabernack,

zielte auf einen alten Sack.

Doch diesem war zuviel die Lieb`,

verpasste dem Göttlein einen Hieb.

Alles was blieb von Amor:

~~~

ein paar Bröckchen Marmor.

😉

(c) rarum


Wochenendbeschäftigung: die Steuererklärung

Ohje, jetzt haben wir die Bescherung,

ich vergaß die Steuererklärung,

habe den Termin versäumt,

den der Fiskus mir eingeräumt.

Ich könnte sie zum Monde schießen!

Als ob sich Steuern erklären ließen!

Ich habe diesen Tag verpasst,

jetzt komme ich sicher in den Knast.

Der Staat, er kann es doch nicht lassen,

mir laufend in die Tasche zu fassen.

Verlangt stets seinen Obolus.

Meine Knete ist futsch –

… und Gott zum Gruß …!

🙂

(c) rarum 2008


Rasenmäherlyrik

hälmchengemetzel

meine grüne schlacht ist gewonnen

ein irrer duft

nach frischem heu

sauerampfer kauend

höre ich das gras wachsen

(c) rarum


Nach der Welle

Ich habe Rotwein getrunken

an einem südlichen Strand

und malte gedankenversunken

„Ich liebe dich“ in den Sand.

Doch ist eine Welle gekommen

und hat im Handumdrehen

das „liebe dich“ fortgenommen.

Der Rotwein und „Ich“ blieben stehen.

(c) rarum 2007

Am meisten gesucht – deshalb wieder freigegeben 🙂


Nippes

Wie eine Nippesfigur,

die man nicht wegwirft,

– einst lieb und teuer –

stehst du mir heute im Wege:

Staubfänger im Herzen,

welch schlechten Geschmack

habe ich an dir bewiesen!

Vielleicht lasse ich dich fallen –

wie unabsichtlich –

und fege die Scherben zusammen,

vorsichtig genug,

um mich nicht wieder zu verletzen.

Und erleichtert,

dich endlich los zu sein.

(c) rarum


Antilyrik – Nicht genug

 

Emotionengreifen

Gefühlliebkosen

Gedankenstreicheln

Seelenhaschen

Herzberühren

 

ist nicht genug:

 

Denn ich vermisse –

Dein Schnarchen!

😉

(c) rarum


Multiple Persönlichkeit

ich – dein du

du – mein du

ich – mein ich

du – dein ich

 

du – mein ich

ich – mein du

du – dein du

ich – dein ich

 

Multiple Persönlichkeit?

🙂


Universum

Die Milchstraße

unter deinem Nabel

ist mein

Universum.

(c) rarum


Ewige Rosenkrieger

Schaukampf

im Ring der Gefühle –

mit dem Schutzschild der Höflichkeit

auf Distanz gehalten,

Floskeln,

nur um besser ausholen zu können,

kreuzen sich bald die Klingen.

 

Die Bosheit reibt sich die Hände,

die Eifersucht feuert an,


doch die Liebe sitzt weinend im Publikum.

 

(c) rarum


Podologie

Wie einst Maria Magdalena

begehre ich

deine Füße zu waschen

sie zu trocknen mit meinem Haar

das über die Schultern fällt

in meinen Schoß

küssend und salbend

jeden Zeh dir berühren

um deine Lust zu reifen

 

Zeit, dir die Zehennägel zu kürzen!

🙂


Der meine Nächte erhellte


Steil und mächtig

Aufragend

Konnte ich ihn nicht umfassen

 

Abend für Abend setzte er

Glanzpunkte

Meine Nächte erhellend

Am Meer

 

 

 

Leuchtturm

🙂

(c) rarum


Orientierungslos im Märkischen

Was ich glitzernd dort erspäh`,

ist das die Spree?

Oder etwa schon die Oder,

oder?

Nein, meine Dame,

es ist die Dahme.

Na Gottseidank nicht die Neiße,

denn das wäre … nicht gut!

🙂

PS: Schluss mit dem Geschwafel:

Es war doch die Havel!


Nicht biblisch bei minus 15 Grad

Auch ich kann über das Wasser gehen…

 


 

… wenn es gefroren ist.

😉


Gänseblümchen

 

Ach, Gänseblümchen,

mein kleines Orakel,

ich riss dir alle Blütenblättchen aus,

doch du bist vergebens gestorben:

ER LIEBT MICH NICHT!

😉

(c) rarum


Minimärchen (8) – Ohne Fuchs

Was uns Herr Lessing verschwieg:

 

Das haben die Trauben nun davon!

Weil sie zu hoch hingen,

verschrumpelten sie

und endeten als Rosinen.

Aber auch die hat irgendjemand im Kopf,

garantiert!

 

🙂

(c) rarum


Nicht up to date

Unterm Schnee grünt schon der Rasen,

im Laden blinzeln Osterhasen,

der Haselstrauch stäubt seine Pollen,

nur ich kau‘ noch am Weihnachtsstollen.

 

🙂

(c) Zweitchance

 


Schnitter

Hinter dem Zaun des Lebens


liegt ein weites unbekanntes Feld.

Einen Bauern suchst du vergebens.

Es wird vom Sensenmann bestellt.

 

(c) Zweitchance


Rosenkrieg, die Zweite

Verschanzt

eingegraben

alle Stellungen ausgebaut

alle Taktiken ausgeschöpft

alle Strategien erprobt

Feuer frei

Aug‘ um Auge

Zahn um Zahn

wie du mir

so ich dir!

 

In der Beziehung nichts neues!

(c) rarum


Die Farbe Purpur

oder: … ein paar Straßen weiter

Jeden Abend,

wenn es dunkel wird,

stellt sie ihnen die rote Herzlampe ins Fenster.

Kein Königskind!

 

(c) rarum


Elf Worte: Anstandshalber

Einfallslos:

ihr Gruß

 

Phrasenhaft:

seine Antwort

 

Für immer tot:

erkaltete Leidenschaft.

 

(c) rarum


Trivial Gereimtes zum Sonntagmittag

Sonntag Mittag

 

Schnitzel vom Schweinchen,

ein kleines Weinchen,

leg` hoch meine Beinchen,

sich nichts mehr dreht.

 

Zähl‘ drei, vier Schäfchen,

verfalle ins Schläfchen.

Dann: starkes Käffchen,

worin der Löffel steht.

 

Was, schon so spät?!

Wie doch die Zeit vergeht!

🙂


Antilyrik: Augen

Ihre Augen

sind wie ein See

in den hohen Bergen:

blaugrün

unendlich tief

glasklar

und

 

EISKALT!

(c) rarum


Prometheus im Freibad

Mahnung an Oben-Ohne-Damen

jenseits eines gewissen Alters und Körperbaus:

😉

Bedecke deinen … Busen gut,

sei vor der Sonne auf der Hut,

denn sonst bekommen deine alten

Hängebrüste noch mehr Falten.

😉

@H.



Ländliche Erotik – etwas derb

Wenn dem Bauern wölbts die Hos,

aß er zu viel vom Hefekloß.

X

Hörst du quieken aus dem Stadel,

treibts der Bauer mit nem Madel.

X

Ist des Bauern Hose nass,

wars in der Früh noch feucht im Gras.

X

Wirds der Bäurin morgens schlecht,

liegts an der Nacht wohl mit dem Knecht.

X

Blühn auf der Wiese Buschwindröschen,

steigt die Magd aus ihren Höschen.

X

Und auch hinterm Rosenhaus

der Bauer zieht die Hosen aus.

X

Verweigert sich des Bauern Frau,

geht er flugs zu seiner Sau.

X

Komm‘ aus den Eiern keine Küken,

liegts am Hahn: zu blöd zum .. krähen.

@H.


In der Botanik

An milden Tagen so wie diesen,

lauf ich gern abends durch die Wiesen,

durch Wäldchen und auf Trampelpfaden

zur Kräftigung von Po und Waden.

Da höre ich aus dem Gesträuche

schmatzen, trampelnde Geräusche.

Ein Bullenkälbchen voll am glotzen

will den Durchgang sich ertrotzen.

Es hat den Bauern ausgetrickst –

ist von der Weide ausgebüxt.

Was mach ich nur! Tanz ich Bolero?

Nein, ich bin doch kein Torero!

Wie fing das tapf´re Schneiderlein

damals nur das Einhorn ein!

Am besten spring´ ich auf die Seite

und such im Unterholz das weite.

Bleib schön ruhig – keine Panik,

triffst Ochsen du in der Botanik!

@H.


Es war eine tropische Sommernacht

Es war eine tropische Sommernacht – eine der wenigen in unseren Regionen, die das Jahr so hergibt. Morgens um 4 Uhr schrillte mein Wecker, aber ich lag schon wach zwischen den Träumen. Mein Großvater hatte mir versprochen, mich in den Schulferien mit auf Tour zu nehmen. Er fuhr ein großes gelbes Postauto, und ich durfte ihm helfen, die Postsäcke und Pakete zu stapeln.

Aus der pechschwarzen Nacht kam die Autobahn in Sicht. Wir hätten sie beinahe verpasst, denn alle Hinweis- und Entfernungsschilder waren weggedreht. Aber ich war die perfekte Beifahrerin im lesen von Straßenkarten, mein Autoatlas fluoreszierte in der Dunkelheit. So konnte ich mit Leichtigkeit den richtigen Weg verfolgen.

Plötzlich – ein dumpfer Schlag: Wir hatten ein Reh angefahren Es blutete stark und zuckte im Todeskampf mit den Gliedmaßen. Mein Großvater packte es und warf es kurzerhand auf die Ladefläche. Mich ergriff blankes Entsetzen. Wir fuhren weiter. Am Ende der Autobahnausfahrt tauchte mit einem Mal wieder unser Haus auf – wir bewegten uns im Kreis!

Mein Vater stand in der Einfahrt und fragte mich, ob ich die schwarzen Tasten von seinem Klavier demontiert hätte. Ich antwortete: „Ja, denn ich habe überhaupt keine Lust zum üben!“

Er wollte mich an den Zöpfen ziehen, aber ich entwischte ihm auf die Straße vor unserem Haus. Diese wurde gerade asphaltiert, deshalb blieb ich im heißen Teer stecken. Ich schrie um Hilfe – nur kam kein Laut über meine Lippen. Zu meiner Rettung fuhr mein Sohn mit seinem Motorrad vorbei und zog mich weg….

Da stutzte ich, denn er war überhaupt noch nicht geboren ….

Schweißgebadet wachte ich auf….

@H.


Übung zu Grammatik und Rechtschreibung..

… und danke, liebe Tina, für die Anregung   🙂

Wenn du denkst das du dich über mir lustich machen kannst, blos weil du die Ortokravie besser kannst wie ich, dann kannst du mich aber mal… 🙂

Gans lieben Gruss


Katzengedicht – Vielleicht im nächsten Leben

Vielleicht im nächsten Leben


Ich wäre gerne eine Katze,

meine Krallen an der Tatze

könnte ich ganz nach Belieben

ausfahr’n oder rückwärts schieben.

Ich fiel immer auf die Beine

und läg faul im Sonnenscheine.

Hätt‘ nicht täglich was zu fressen,

doch neigte ich wohl zu Exzessen,

trieb mich rum mit jedem Kater,

ganz egal, wer wohl der Vater

sei von meinen Katzenkindern.

Rieb sanft meinen Katzenhintern

an des Lieblingsmenschen Wade.

Bin keine Katze – jammerschade 🙂

@H.


Gequirlte Fäkalien

Erotische Fantasie – eine Parodie


Schuppen

aus meinen Haaren fallend

blase ich dir sanft auf deinen Kragen

Liebster

Stöcke schwingend

wandle ich auf gleißendem Schimmer

in deinem Nabel,

konkaves Fingerversteck.

Richte die Kanone auf mich,

mein Du!

Ich ertrinke in Buttermilch.


(c) Eva vom Lande


Willkommen und Abschied (nicht von Goethe)

Untertitel:

Manchmal bringt das Wiedersehen erst die Trennung.

Ich warte am Bahnsteig,

seh‘ ihn lässig winken

aus dem nahenden Zug.

Werden wir uns in die Arme sinken

oder gehen wir nur einen Kaffee trinken?

Mir ist ganz flau im Magen!

Ist unser Wiedersehen schon genug,

um uns endgültig Adieu zu sagen?

@H.