Archiv der Kategorie: Nothing material

Inventur

Ich zähle meine eingefrorenen Träume:

Einige sind verloren gegangen.

Ein wenig Schwund, na und?

Haltbarkeitsdatum überschritten?

Weg damit!

Doch dieser hier – sorgfältig eingeschweißt!

Ich werde ihn mir ans Herz legen,

wärmen,

auftauen,

zum Leben erwecken:

Mich und meinen Traum!


Geometrie des Lebens

Zwei

unendlich lange

parallele Geraden

schneiden sich

erst im Unendlichen.

 *

Wann und wo

berühren sich

zwei

endlich lange

parallel geführte Leben?

(c) rarum


Haiku: Oktoberschnee

~

Der Herbst hat maßlos

zwischen den bunten Farben

Schneeweiß verplempert.

(c) rarum


Sprichwörtliches: Der Krug

Seitengasse in Taormina/Sizilien

Der Krug geht solange zu Wasser…

… bis das Kind in den Brunnen gefallen ist.

😉

(c) rarum


Gehupft…

Waldspaziergang

Den Pfützen ausweichen

auf dem sumpfigen Pfad:

nur durch Brennnesseln

und Brombeergebüsch.

Gehupft wie zerkratzt!

😉


Haiku: Katzenzungen

*

Abendwind vom See:

Wellen lecken zart am Steg

wie Katzenzungen.

*

(c) rarum


Krüppelkiefern

Baumgrenze

Oben ist die Luft dünn.

Wer kriecht – verkrüppelt!

Nicht nur die Kiefern…


Konjugation…

… eines reflexiven Verbs:

Sie lieben sich.

Ergo:

Er liebt sich.

Sie liebt sich.

Grammatisch vollkommen korrekt…

Beziehungstechnisch jedoch – eine Katastrophe!



Drei Wünsche

Voller Überschwang und Glück sagte er zu ihr:

Liebes, du hast drei Wünsche frei!

Sie antwortete:

Ich weiß, du bist sehr großzügig zu mir, dafür danke ich dir. Doch die Erfüllung meiner Wünsche liegt weder in deinem Ermessen noch in deiner Macht.

 

(c) rarum


Definiert: Muße

*

Muße ist …

… wenn man nichts müssen muss.

*

(c) rarum



Das erste Ma(h)l

Ein grandioses Wochenende besteht aus hervorragendem Essen und phänomenalem Sex, meint eine Bekannte.

*

Du hast für mich gekocht.

Das erste Ma(h)l!

🙂


Einigkeit

*

Wir suchten einander,

aber wir fanden nicht,

was wir vermissten.

Darin waren wir uns einig.

Wäre das nicht ein Anfang gewesen?

*


Angst dich zu lieben

Ja, es ist wahr,

ich habe Angst dich zu lieben:

Weil du mich fesselst ohne Seile,

ich dir folge, die Folgen ignorierend,

koste es was es wolle,

vor allem meine Unabhängigkeit.

Dann wird der Alltag einziehen

und ich werde mich fragen:

War es das wert?

Ich fürchte, die Antwort könnte lauten:

JA!

UND ICH HABE ES NICHT GEWAGT!

(c) rarum 2010



Eis

Mir träumte,

du wärst eine Kugel Eis,

die mir zwischen den Fingern zerrann,

weil ich nicht schnell genug an dir schleckte.

😉


Höhere Unlogik

„Ich bin anders als die Anderen!“

sagte ein Mensch.

„Ich vergleiche mich nicht mit ihnen!“

(c) rarum 2010


Mir träumte

Mir träumte,

ich wollte dir schreiben:

Ein Gedicht über Liebe.

Doch reimte es sich nicht.

Und der Stift brach entzwei

in meiner gelähmten Hand.

(c) rarum


Augenhöhe

*

Frühlingsanfang:

Tag und Nacht

begegnen sich wieder auf Augenhöhe.

*

(c) rarum


Abbitte

Ich habe –

ohne dich um Erlaubnis zu fragen –

dich in diese Welt gesetzt.

Verzeih‘ mir,

dass ich dich geboren habe.


Kreislauf

*

Der Sinn des Lebens:

Die Suche nach dem Sinn des Lebens?

*


Augenweide

Sein hungriger Blick

wildert heimlich

auf der Augenweide.

🙂


Andante sostenuto

 

stimme aus samt

hülle mich ein

ich gleite entlang

auf jeder note die du spielst

an jedem ton den du singst

der du die trommel schlägst

seit anbeginn meiner zeiten

mein takt des lebens ist

ruhiges fließen jetzt

befreit

(c) rarum 2008


keine Schneeflocke

Eine unter vielen

im weißen Kleidchen

tanzen nach der Pfeife des Windes,

wie es ihm gefällt.

Niemals

möchte ich eine Schneeflocke sein!

(c) rarum


Kerbholz

 

Unendlich viele Kerben
in den Planken des Kahns –

unendlich viele versenkte Lieben …

(c) rarum


Unter den Teppich

„Nach mir der Frühling!“

*
… dachte sich der Winter
und kehrte die Reste des Herbstes
unter den weißen Teppich.

😉

(c) rarum


hoffnung (1)

hoffnung

du fata morgana

spiegelung von wünschen

flimmerndes zerfließen

auflösen im fassen

nur sand in den augen…

(c) rarum 2008


Schneeflocken

Schneeflocken

Kristalle auf meinen Wimpern
Rinnsale aus meinen Augen
wie Tränen
doch sie brennen sich nicht in die Haut.

Willkommen auf meinem Gesicht!

(c) rarum


Allein

 

Ich bin nicht unbedingt einsam,

wenn ich mit mir allein bin.

Einsam bin ich erst,

wenn ich mich verlassen habe…

(c) rarum


Leben messen

Manchmal, wenn ich alleine bin,

dann schärfen sich meine Sinne,

ich nehme Bilder und Töne auf,

Illusionen und Farben: Ich spinne.

Wie gerne würde ich jeden Tag

solch‘ tiefes Empfinden erfahren.

Das Leben bemisst sich nach Intensität

der Gefühle – und nicht nach Jahren!

(c) rarum 2007



Grinsen

Der kleine Schalk sitzt mir im Nacken

und zieht meine Mundwinkel breit.

😉


Kalender

Wir sind so vermessen,

einen Kalender zu kaufen

in der Hoffnung,

dass wir all seine Tage erleben werden.

Doch keine Gewährleistung!

(c) rarum


Silvesternacht

Das Feuerwerk

deiner Blicke

lasse ich in kleinen Fünkchen

auf mich niederregnen!

~~~~~~~

Allen Besucher/Innen meiner Seite

wünsche ich ein gelingendes Jahr 2012.


Option

Gelegentlich, an ungemütlichen Wintertagen, spiele ich gegen meinen Computer. Und wenn ich schon am verlieren bin, fragt mich mein PC:

 „Letzten Zug rückgängig machen?“

 Manchmal wünschte ich mir diese Option im wahren Leben.


Herzwellen

Meine Herzwellen –

kein Tsunami mehr.

Nur noch ein leises murmeln

an deinen Ufern…

(c) rarum


Effi Briest und du (2009)

Wenn mich jemand fragt, ob es schwarze Freitage gibt: Ja, es gibt sie! Für mich war es dieser unselige 18. Dezember 2009. Meine kleine Libelle – so nenne ich liebevoll mein Auto, es schillert so wunderbar hellblaumetallic – zerschrammte an einem Verkehrsschild. Der Schaden: 4.500 Euro, das Schild in Schieflage. Ich musste auf der Polizei erscheinen wegen Beschädigung öffentlichen Verkehrsraumes oder so. Kein Wunder, dass ich ein wenig von der Rolle war. Beim verlassen des Präsidiums schob ich wohl das Mäppchen mit dem Führerschein und den Fahrzeugpapieren in meine Manteltasche, dachte ich wenigstens. Aber es landete lautlos im Schnee und ich hatte es nicht einmal bemerkt. Das hätte mir zusätzlichen Ärger bereitet.

Du hast es gefunden und dich bei mir gemeldet, Ehrlich wie du bist, sogar der Notfünfziger für alle Fälle war noch darin.

 Den Finderlohn lehntest du ab. In meiner Dankbarkeit lud ich dich zum Essen ein – Mittagessen, denn ein „Blind date“ in der Dunkelheit schien mir doch etwas zu riskant. Spontan hast du ja gesagt: Samstag Mittag in einem gemütlichen Gasthof am Stadtrand.

Ich habe keine Probleme, mich mit Männern zu verabreden, zumal ich kein Rendezvous im eigentlichen Sinne ansteuerte. Schließlich bin ich schon jahrelang Single.

 Lange Rede, kurzer Sinn: Der erste Eindruck von dir: ca. 10 Jahre jünger als ich, genau so groß,

kahler Kopf, kräftige Figur, leicht hinkender Gang, kein Traummann! Aber ich konnte geradewegs in deine braunen melancholischen Augen sehen, mit dunklen Pünktchen in der Iris. Und deine Stimme war angenehm leise. Irgendwas hattest du an dir, das ich mochte. Die Ausgeglichenheit?

 Was erzählt man sich denn, um die Zeit zu überbrücken? Lehrer warst du, Deutsch und Geografie. Warst? Ich stutzte, aber ich wollte nicht weiter fragen. Und so sprachen wir über meine Lieblingsthemen: Odysseus und ferne Länder. Es war eine angenehme Begegnung, bar jeder Verpflichtung zu weiteren Verabredungen, wir mussten ja einander nicht gefallen.

Auf dem Nachhauseweg kamen wir am Theater vorbei. Ich äußerte beiläufig, dass ich gerne wieder einmal ein Schauspiel besuchen würde…

 Vorige Woche riefst du an: „Sie geben Effi Briest. Wollen Sie mitkommen?“ Ich wollte. Und danach nahmen wir im Theatercafe noch einen Espresso.

„Ich möchte den Kontakt nicht abreißen lassen, aber ab morgen gehe ich wieder zur Chemo…“

Schlagartig begriff ich. Das Ende ist offen, ich blieb dir die Antwort schuldig. Seitdem muss ich immer wieder an dich denken: Mitleid mit einem Tapferen. Und ich bin so feige…

(c) rarum 2009


Aus der Welt

Wer glaubt,

dass die Erde ist eine Scheibe ist –

fällt hinter seinem Horizont

aus der Welt!

(c) rarum


Scheitern

Den Gescheiterten wohnt etwas inne,

was anderen Menschen fehlt:

Mut zur Ungewissheit über den Ausgang eines Wagnisses.

(c) rarum


Verbrannt

Unter den Blasen wachsen langsam die Narben:

Ich legte meine Hand für dich ins Feuer…


Gedankenwichteln

GEDANKENAUSTAUSCH

ist ein bissel wie wichteln:

Du wählst liebevoll aus,

bekommst jedoch zurück,

was du nicht verwenden kannst,

dir nicht gefällt

oder andere nur los werden wollen.

(c) rarum


Unter die Haut

Auch Wunden

gehen unter die Haut!

 


Lautlos unsichtbar

Die Welt schlüpft unter eine Tarnkappe

und stopft sich Nebel in die Ohren.

Lautlos unsichtbar…


Horizontsicht

Durch die laublosen Pappeln

schimmern mir wieder fernblau

die Hügel am Horizont.

~~~

Mein Spätherbstblick…

***

Und meine liebste Co-Autorin Marie-Rose schreibt mir :

Mit jedem Blatt

das er dem Baum entzupft

zieht der Herbst einen kleinen Vorhang auf…


Igelin

Ich suche mir einen Laubhaufen

und rolle mich ein.

Wenn du es schaffst,

mich Igelfrau zu umarmen,

will ich mit dir gemeinsam

Winterschlaf halten.

😉


Rosenbett

Lass dich auf Rosen betten!

Doch prüfe zuvor, ob sie ohne Stacheln sind.

😉

Nein, Rosen haben KEINE Dornen, aber Stachelbeeren haben welche!


Artist

Zwischen zwei Zipfeln Realität

hängt ein Wunsch

an einem seidenen Faden.

Traumtänzer?

Luftnummer?

(c) rarum


Über den Umgang mit Laub

Früher, als ich noch ein Kind war, durchstreifte ich die Gärten und sammelte wunderschöne herbstlich gefärbte Blätter. Diese klebte ich dann emsig in ein kariertes Schulheft und beschriftete sie sorgfältig.

 Heute raffe ich schnell das Laub auf dem Rasen zusammen. Und bevor es der Wind wieder auseinander bläst, stopfe ich es in einen Sack, den ich dann dem Biocontainer zuführe – heimlich fluchend über den nicht enden wollenden Blätterfall.



Eiszeit

Eiszeit …

ist nicht unbedingt eine Jahreszeit

oder

eine Periode der Erdgeschichte …


Sauperle

Wie sie ist?

Ganz Frau!

Manchmal die Perle,

manchmal die Sau.

😉


Dem größten Pianisten aller Zeiten …

…zum 200. Geburtstag

Franz (Ferenc) Liszt:

 


Aus der Mode

Herbstsaison.

Die Bäume legen ihre Gewänder ab:

Blattgrün ist jetzt nicht mehr im Trend.

(c) rarum

… und sind sie die Herbsttöne leid
lassen sie alle Hüllen fallen –

Winterzeit.

Danke, liebe Marie-Rose.

😉


Immer noch

Nachts blinken uns Sterne,

die schon lange erloschen sind.

So höre ich

immer noch

deine Schritte im Flur,

seh‘ dein Gesicht über mir,

küsse deinen Mund.

(c) rarum