Schlagwort-Archive: Zeiten

Haiku: Oktoberschnee

~

Der Herbst hat maßlos

zwischen den bunten Farben

Schneeweiß verplempert.

(c) rarum


Liebesbeweis zum Wintereinbruch

 *

Pflücke mir bitte die Eisblumen,

die auf meinen Autoscheiben wachsen …

*

… und schenke mir ein paar Schaufeln Schnee

von meinem Stellplatz.

😉


Verflüssigt

Dieser Sommer –

was für ein heißer Typ!

Sogar die bittere Schokolade

schmilzt seinetwegen dahin.

😉


Wochenend

*

Ab heute mache ich blau –

dachte sich der Himmel

es ist doch „Frei“-tag.

😉


Minimärchen Osterphilosophie

Das Huhn sah verächtlich auf das Ei herab

und tönte überheblich:

„Und trotzdem war ich eher da als du!“

Das Ei schwieg.

„Also habe ich recht!“ gackerte das Huhn weiter.

*

Da kam ein Wanderer des Wegs

und sprach zum Huhn:

„Es sei, wie es sei.

Aber eines muss man dem Ei lassen:

Es ist viel schneller gar als du!“

😉


Augenhöhe

*

Frühlingsanfang:

Tag und Nacht

begegnen sich wieder auf Augenhöhe.

*

(c) rarum


Andante sostenuto

 

stimme aus samt

hülle mich ein

ich gleite entlang

auf jeder note die du spielst

an jedem ton den du singst

der du die trommel schlägst

seit anbeginn meiner zeiten

mein takt des lebens ist

ruhiges fließen jetzt

befreit

(c) rarum 2008


Februarmondin

Kalte Mondin, weiß und bleich.
Einsam heult der Wolf durchs Reich.
Will deine Stiefel lecken.
Vor Gier sieht er Rot!
Doch ohne der Sonne Strahl
wärst du nicht einmal fahl,
würdest erbärmlich verrecken –
*
wärst du längst tot!

(c) rarum 2008


Unter den Teppich

„Nach mir der Frühling!“

*
… dachte sich der Winter
und kehrte die Reste des Herbstes
unter den weißen Teppich.

😉

(c) rarum


Weihostern

Kaum ist Weihnachten vorbei,
eiern wir schon wieder auf Ostern zu.

😉


Haiku: Wintersonne

Schräger Sonnenstrahl

bittet die Stäubchen zum Tanz.

Hausputz ist fällig!

(c) rarum


Festessen

Zimtsterne, Mandelkerne

Haselnüsse, Schokoküsse

Vanilleeis mit Himbeern heiß

Ragout fin, Dujardin

Kartoffelkloß, Calvados

Limonade, Remoulade

Cappuccino und ein Vino

Gänsebraten, Schokoladen

Torten

mit anderen Worten:

Viel zu viel

hat unser armer Magen

in diesen Tagen

zu ertragen.

(c) rarum 2008

😉

Ich wünsche allen Besuchern meiner Seite besinnliche Festtage.


Stress vor dem Fest (2009)

Energizer bunny

Im Moment hab‘ ich so eine Phase:

Ich fühl mich wie der rosa Spielzeughase –

der aus der Werbung mit der Langzeitbatterie.

Manie, Manie!

Wie aufgezogen 24 Stunden

dreh‘ ich am Tage meine Runden.

Ich denke schneller, sehe klar,

doch birgt dies in sich die Gefahr,

dass, wenn die Spannung nachlässt,

ich dann auf die Nase fliege

und wieder antriebslos am Boden liege.

(c) rarum 2009


Effi Briest und du (2009)

Wenn mich jemand fragt, ob es schwarze Freitage gibt: Ja, es gibt sie! Für mich war es dieser unselige 18. Dezember 2009. Meine kleine Libelle – so nenne ich liebevoll mein Auto, es schillert so wunderbar hellblaumetallic – zerschrammte an einem Verkehrsschild. Der Schaden: 4.500 Euro, das Schild in Schieflage. Ich musste auf der Polizei erscheinen wegen Beschädigung öffentlichen Verkehrsraumes oder so. Kein Wunder, dass ich ein wenig von der Rolle war. Beim verlassen des Präsidiums schob ich wohl das Mäppchen mit dem Führerschein und den Fahrzeugpapieren in meine Manteltasche, dachte ich wenigstens. Aber es landete lautlos im Schnee und ich hatte es nicht einmal bemerkt. Das hätte mir zusätzlichen Ärger bereitet.

Du hast es gefunden und dich bei mir gemeldet, Ehrlich wie du bist, sogar der Notfünfziger für alle Fälle war noch darin.

 Den Finderlohn lehntest du ab. In meiner Dankbarkeit lud ich dich zum Essen ein – Mittagessen, denn ein „Blind date“ in der Dunkelheit schien mir doch etwas zu riskant. Spontan hast du ja gesagt: Samstag Mittag in einem gemütlichen Gasthof am Stadtrand.

Ich habe keine Probleme, mich mit Männern zu verabreden, zumal ich kein Rendezvous im eigentlichen Sinne ansteuerte. Schließlich bin ich schon jahrelang Single.

 Lange Rede, kurzer Sinn: Der erste Eindruck von dir: ca. 10 Jahre jünger als ich, genau so groß,

kahler Kopf, kräftige Figur, leicht hinkender Gang, kein Traummann! Aber ich konnte geradewegs in deine braunen melancholischen Augen sehen, mit dunklen Pünktchen in der Iris. Und deine Stimme war angenehm leise. Irgendwas hattest du an dir, das ich mochte. Die Ausgeglichenheit?

 Was erzählt man sich denn, um die Zeit zu überbrücken? Lehrer warst du, Deutsch und Geografie. Warst? Ich stutzte, aber ich wollte nicht weiter fragen. Und so sprachen wir über meine Lieblingsthemen: Odysseus und ferne Länder. Es war eine angenehme Begegnung, bar jeder Verpflichtung zu weiteren Verabredungen, wir mussten ja einander nicht gefallen.

Auf dem Nachhauseweg kamen wir am Theater vorbei. Ich äußerte beiläufig, dass ich gerne wieder einmal ein Schauspiel besuchen würde…

 Vorige Woche riefst du an: „Sie geben Effi Briest. Wollen Sie mitkommen?“ Ich wollte. Und danach nahmen wir im Theatercafe noch einen Espresso.

„Ich möchte den Kontakt nicht abreißen lassen, aber ab morgen gehe ich wieder zur Chemo…“

Schlagartig begriff ich. Das Ende ist offen, ich blieb dir die Antwort schuldig. Seitdem muss ich immer wieder an dich denken: Mitleid mit einem Tapferen. Und ich bin so feige…

(c) rarum 2009


Körperlandschaft

Erster Schnee –

fast wie der Körper einer schönen Frau

  weiß gerundet ist die Landschaft …

***

… und er füllt die Schlaglöcher aus,

die noch seit dem vorigen Winter vorhanden sind.

😉


Morgen ist er fällig …

Morgen ist er fällig!!

 Ich habe schon lange ein Auge auf ihn geworfen. Schlank ist er, fast zwei Meter groß, gerade gewachsen, voll mein Typ. Ich möchte ihn zum Weihnachtsfest gerne an meiner Seite haben. Und morgen ist er fällig!! Ein Schelm, wer arges dabei denkt! Ich rede natürlich hier von meinem Weihnachtsbaum 😉

 Vor mehr als zehn Jahren schenkte mir unser Nachbar, ein Forstarbeiter, eine Handvoll Setzlinge verschieder Nadelbäume, z.B. Tannen, Fichten und Kiefern. Sie waren nicht einmal gut genug für den einheimischen Forst und die angeliederte Weihnachtsbaumschule, durchgefallen sozusagen.

Bodenständig, wie ich nun einmal bin, pflanzte ich sie in den elterlichen Garten. In den ersten Jahren erhielten sie ab und zu eine Gießkanne voll Wasser, befreite ich sie von Unkraut, umkurvte sie geschickt mit dem Rasenmäher, umzäunte sie mit einem Maschendrahtzaun (eine vogtländische Spezialität, manche werden sich erinnern ..).

 Seither habe ich von dem einen oder anderen immer ein paar Zweiglein für den Weihnachtsschmuck oder für Grabgestecke entnommen. Jetzt wachsen sie mir buchstäblich über den Kopf …

 Morgen werde ich meinen Sohn beauftragen, den schönsten von ihnen zu fällen. Ich sehe mich zwar körperlich dazu in der Lage, aber nicht mental…, irgendwie ist mir der Baum ans Herz gewachsen.

 Einige Tage wird er noch auf dem Balkon verbringen müssen, bis ich ihn in die „gute Stube“ hole ….

 Fazit:

Jaja, soweit ist es schon mit mir gekommen, dass mir Bäume näher stehen als Menschen, aber sie haben mich ja auch nicht belogen und gedemütigt. Mittlerweile habe ich gelernt, mich zu wehren. Und falls ich manchmal mit spitzer Zunge über das Ziel hinaus schieße, bitte ich um Entschuldigung ….

(c) rarum 2007


Lautlos unsichtbar

Die Welt schlüpft unter eine Tarnkappe

und stopft sich Nebel in die Ohren.

Lautlos unsichtbar…


Horizontsicht

Durch die laublosen Pappeln

schimmern mir wieder fernblau

die Hügel am Horizont.

~~~

Mein Spätherbstblick…

***

Und meine liebste Co-Autorin Marie-Rose schreibt mir :

Mit jedem Blatt

das er dem Baum entzupft

zieht der Herbst einen kleinen Vorhang auf…


Igelin

Ich suche mir einen Laubhaufen

und rolle mich ein.

Wenn du es schaffst,

mich Igelfrau zu umarmen,

will ich mit dir gemeinsam

Winterschlaf halten.

😉


Laubgedicht

Die letzten Blätter

an den Pappeln

zittern und zappeln

im herbstlichen Wind,

bis auch sie

segelnd,

trudelnd,

wirbelnd

auf der Wiese gelandet sind.

🙂


Über den Umgang mit Laub

Früher, als ich noch ein Kind war, durchstreifte ich die Gärten und sammelte wunderschöne herbstlich gefärbte Blätter. Diese klebte ich dann emsig in ein kariertes Schulheft und beschriftete sie sorgfältig.

 Heute raffe ich schnell das Laub auf dem Rasen zusammen. Und bevor es der Wind wieder auseinander bläst, stopfe ich es in einen Sack, den ich dann dem Biocontainer zuführe – heimlich fluchend über den nicht enden wollenden Blätterfall.



Herbst – Versuch einer Allegorie

Herbst 

Die Natur benimmt sich wie ein alterndes Weib. 

Das jungfräuliche Weiß der Frühlingsblüten und 
das satte Grün der Sommerwiesen hat sie bereits 
hinter sich gelassen. 

Jetzt schmückt sie sich viel zu auffällig, 
ergreift ihre letzte minimale Chance, 
Aufmerksamkeit zu erheischen: 
rotes Weinlaub, Vogelbeeren und Hagebutten 
in toxischem Orange, goldene Ahornblätter, 
braune Kastanien, lilablaue Trauben 
sind ihr modisches Beiwerk. 
Und über allem wölbt sich der Himmel wie ein azurblaues Tuch. 
Kleine Diamanten aus Tau schimmern hochkarätig in der Sonne. 
Sie hat sich herausgeputzt, letztes Aufbäumen, 
bevor sie die Braut des Winters wird.
So, als könnte sie die grellen Farben nicht mehr ertragen, 
beginnt sie sich abzuschminken. 
Und am Morgen liegt sie fahl und bleich in einem Schleier 
aus bleigrauem Nebel.

Aber ihr Tod ist endlich, denn sie weiß, dass sie wiedergeboren
wird – im nächsten Frühling, in einer Robe aus weißrosa Blüten.

Im Gegensatz zu mir .....

Eiszeit

Eiszeit …

ist nicht unbedingt eine Jahreszeit

oder

eine Periode der Erdgeschichte …


Aus der Mode

Herbstsaison.

Die Bäume legen ihre Gewänder ab:

Blattgrün ist jetzt nicht mehr im Trend.

(c) rarum

… und sind sie die Herbsttöne leid
lassen sie alle Hüllen fallen –

Winterzeit.

Danke, liebe Marie-Rose.

😉


Immer noch

Nachts blinken uns Sterne,

die schon lange erloschen sind.

So höre ich

immer noch

deine Schritte im Flur,

seh‘ dein Gesicht über mir,

küsse deinen Mund.

(c) rarum


Farbig

Lausebengel Herbst

sprayt Farbe auf die Blätter,

treibt es richtig bunt!

😉

(c) rarum


Fallobst

Faul und wurmstichig

fällt das letzte Obst vom Baum.

Spätsommertage…

(c) rarum


Graues Haar

Heute entdeckte ich

das erste graue Haar zwischen den Locken …

…  meines Sohnes.

~~~

Wie doch die Zeit vergeht!

🙂


Oberpfälzer Morgen

Noch schlaftrunken

nimmt die Sonne ein Morgenmahl ein:

Sie schlürft Nebelsuppe

von den Teichen.

(c) rarum


Stachlig

Abgeerntet.

Stoppelhalme.

Das Kornfeldbett

wird zum Fakirbrett.

(c) rarum


Kein Fundament

Fasziniert vom Meeresblau

in der Tiefe deiner Augen,

habe ich an ihren Ufern…

~~~

…auf Sand gebaut!

(c) rarum


Entwurf eines Nachrufs

Wenn ich eines Tages

mit kleinen Flügelchen

auf meiner Wolke sitze und harfe,

wird man über mich sagen:

~~~

Sie war auf dem besten Wege,

eine Persönlichkeit zu werden.

😉

(c) rarum


Murphy am Montagmorgen

Es ist ein gutes Gefühl, mit dem Gedanken einschlafen zu können, am nächsten Morgen ausnahmsweise nicht in aller Herrgottsfrühe aufstehen zu müssen. Mal kein Weckerklingeln, nein, es kommt viel schlimmer: Der Wäscheplatz verwandelt sich in den Nürburgring. Dem Hausmeister hat es gefallen, ausgerechnet an deinem freien Tag morgens um sieben seinen Rasentraktormotor aufheulen zu lassen. Nachtruhe ade!

 Du hättest dir gewünscht, dass er auch zur Winterszeit seine Aktivitäten beim Schnee beräumen um diese Uhrzeit gestartet hätte. Aber das wäre wohl doch zuviel verlangt gewesen, schließlich ist es winters um sieben Uhr noch dunkel. Und so musstest du deinen Weg zur Straße oftmals selbst frei schaufeln.

 Nur nicht aufregen! Schließlich magst du doch den Geruch von frisch gemähtem Gras, auch wenn er mit einem Hauch von Abgasen vermischt ist. Steh auf und mach das Fenster zu, dann kannst du weiter schlafen – eventuell. Dein noch nachtschlafgetrübter Blick fällt auf den nackten braun gebrannten muskulösen Oberkörper des jungen Hausmeisters und dir kommt blitzartig die sündige Idee, du könntest vielleicht den Gärtner mal zum Bock machen. Aber genau so schnell wie sie kam, verwirfst du sie wieder. Die wilden Jahre sind vorbei, oder so. Also wohl doch aufstehen. Die Bügelwäsche wartet.

 Guten Morgen, Welt!


Ocker

Die Beeren der Ebereschen

preschen

dem Sommer davon:

Sie ockern schon!

😉

(c) rarum


Haiku: Nachtappetit

Gelber Pfannkuchen

dunkler Pflaumenmushimmel

Vollmondnachthunger

😉

(c) rarum


„Große“ Kinder

Wenn sie mal nicht wissen,

wo sie sonst hinsollen,

dann kommen sie

HEIM.


Unmerklich

Einst zog ich in diese Stadt,

weil ich einen Mann liebte.

Ich bleibe,

weil ich diese Stadt liebe.


Haiku: Siesta

 Trägheit, Windstille,

eine fiebrige Sonne

lässt die Welt dösen.

(c) rarum


Verdächtig

Manchmal,

wenn ich so meinen Garten betrachte,

kommt in mir der heimliche Verdacht auf,

dass Noah in seiner Arche

auch säckeweise

Unkrautsamen

mitgenommen hat.

😉


All‘ mein‘ Gedanken (6)

Mein kleiner Gedanke zur Nacht

schleicht auf Zehenspitzen

heimlich zu dir.

😉


Dem Liebsten zur Nacht

Du schläfst –

gewähre mir,

in deinem Traum zu sein.

(c) rarum


Zeit (4)

Aussichtslos

stemme ich mich

gegen die Zeiger der Uhr:

Die Zeit grient spöttisch –

und geht vorbei.

(c) rarum


Steigerung


Kalte Eiscreme

kühles Wasser

laues Lüftchen

warme Tage

heiße Nächte

~~~~~

Jetzt kommt mein Sommer!

🙂


Neumond der Verzagten

Wenn die bleiche Mondin geht,

schwindet die Hoffnung

der verzweifelten Wölfe.

 

(c) rarum


Vor dem Gewitter

Der erste Tropfen

auf den heißen Stein

ist immer ein Märtyrer.

🙂

(c) rarum


Haiku: Nacht

Das Mondamulett

auf strasssteinbesetzem Samt –

klare Sternennacht.

(c) rarum


Zeit (4)

Es ist die Anarchie der Stunden,

die mich verwundert,

manchmal kürzer oder länger,

dehnen sie sich oder ziehen sich zusammen,

schwimmen ineinander,

kommen und gehen, wie es ihnen beliebt …

(c) rarum


Letzte Liebe


Welche Worte

könnte ich dir schreiben,

die ich nicht schon irgendwann einmal

irgendeinem Mann gesagt?

~~~

Nur diese hier:

Die Statistik gibt uns noch 20 Jahre.

Vielleicht!


Traumgefangen

Für einen Augenblick

war ich

traumgefangen,

weltentrückt,

hypnotisiert

von deinen Worten.

~~~

Doch fingerschnipsend

holt mich das Leben zurück:

~~~

Ende der Performance!

(c)rarum


Gebet um Regen

Der Brunnen ist leer,

die Pflänzchen fast vertrocknet.

Gießkannenschleppen.